Constantin Schroeder

Constantin Schroeder

Vita

1980
geboren in Hamburg
Studium der Theologie und Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin
Studium der Neueren Deutschen Philologie und Kunstgeschichte, Technische Universität Berlin
lebt und arbeitet freischaffend in Berlin

Die Isolation des Einzelnen

Constantin Schroeder, Künstler
22.11.2017


Foto: Eva Karl

In meinen meist großformatigen und überwiegend in fotorealistischer Weise gefertigten Bildern betrete ich unwirkliche und traumhafte Bildwelten, die die Tiefen des Unbewussten ausloten und den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Fantastische und Absurde erweitern. Ich suche eine eigene Wirklichkeit der Menschen im Unbewussten und verwerte Traumerlebnisse als Quelle meiner Inspiration. Ich bemühe mich darum, das Bewusstsein und die Wirklichkeit zu erweitern und bisher geltende Werte oder Gewohnheiten umzustürzen. Dabei steht nicht selten die Darstellung einer dekadenten Gesellschaft im Vordergrund.

Ein wiederkehrendes Stilmittel in meinen Bildern sind Auslassungen und Leerstellen, die dem Betrachter die Aufgabe übergeben, verschiedene Elemente in eine Beziehung zueinander zu bringen, die nicht direkt vom Bild vorgegeben sind und so einen unbeantworteten, offen gelassenen Gedanken selbständig zu Ende zu denken. Aus Literatur und Rhetorik kennen wir die Ellipse als Stilmittel, die das Auslassen von Satzteilen bezeichnet. Elliptische Auslassungen lassen sich mit Hilfe von sprachlichem oder situativem Kontext rekonstruieren. Dieses Stilmittel übertrage ich auf meine Malerei. Durch die Auslassungen versuche ich, eine eindringlichere Wirkung zu erzielen und Wichtiges hervorzuheben, jenen Kunstgriff anzuwenden, dessen sich der Rhetoriker bedient, der absichtlich grammatikalisch unvollständige Sätze bildet.

Bildräume der Imagination

Barbara Leicht, Kunsthistorikerin (M.A.)


Foto: Eva Karl

Der 1980 in Hamburg geborene Constantin Schroeder hat schon von Kindesbeinen an eine große Affinität zur Malerei verspürt. Trotzdem hat der heute hauptberufliche Maler Theologie und Philosophie und Kunstgeschichte studiert und nicht Malerei. Lange gegen den ins Blut gelegten Beruf gewehrt, brach es irgendwann aus ihm heraus und er bekannte sich dazu Künstler sein zu wollen. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Es ist erstaunlich, welche Bildwelten Constantin Schroeder entwickelt. Die Gegenwart mit all ihren Facetten verinnerlicht, lässt er die Düsternis der Welt durch seinen Pinsel fließen. Er benutzt meist eine sehr knappe Farbpalette. Der Kolorismus ist nicht sein Ding. Er konzentriert sich darauf Bildräume zu schaffen, die seiner Imagination gerecht und derer des Betrachters habhaft werden.

Meist im großen Format umfangen die Szenen mit ihrer eigentümlichen Erzählweise den Rezipienten. Wahrhaft vieles gibt es für jenen zu sehen und zu verarbeiten. Schroeders Werke sind nicht einfach nur irgendwie gut gemalt oder eigen. In bald surrealistischer Manier generiert der Künstler Geschichten, von denen Fetzen in seinem Kopf herum spuken und zeigt Abgründe, Endzeitstimmungen, fast seherisch. Er filtert die tägliche Nachrichtenschwemme durch sein intuitives Imaginationsvermögen und chiffriert Selbsterfahrenes. Schroeder ist ein geschickter Kompositeur und will die Geister, die er rief nicht loswerden, er holt sie in seine Bildräume hinein und löst Erstaunen aus. Er schafft Anmutungen, die der Betrachter schwer entschlüsseln kann. Kunst muss nicht immer nur „the bright side of life“ zeigen, ganz oft und das ist ein hoher Auftrag an sie, zeigt sie die Kehrseite unseres Strebens nach Harmonie.

Schroeder greift tief in das Archiv der menschlichen Psyche. In seinen Werken zeigen junge Heroen zwischenmenschliche Rätsel. Die Frage nach der eigenen Existenz und Position und der Freiheit des Ichs wird durch eine rätselhafte Ikonografie transportiert.

Auffallend ist in etlichen Werken die weiße Leerstelle, die bald den Eigenlichtcharakter mittelalterlicher Goldgrundmalerei besitzt. Die Leerstelle, die der Künstler bewusst setzt, das Bild, das er bewusst unfertig lässt, um dem Betrachter Möglichkeiten zu eröffnen, die ihm so sonst nicht angeboten werden. Dieser muss eine Transferleistung erbringen und mit eigener Imaginationskraft die Lücken füllen, Sehraum ist gleich Denkraum.

Die Beleuchtung zeigt zum Teil extrem übersteuerte Helligkeit. Bald entlarvend und mit grellem Licht die Szenarien in eine kühle, in eine coole Atmosphäre versetzend, zeigt Schroeder Gewalt, beklemmende zwischenmenschliche Situationen und gewissermaßen den Verlust der Individualität.

Schroeder vermag es durch seine virtuose Malerei uns anders sehen zu lassen – wenn wir dies wollen.

Ausstellungen

2018
„Killing Me Softly – Works from the Miettinen Collection“, Groupshow, Miettinen Collection, Berlin
Art Karlsruhe, GALERIE VON&VON
2017
„11 in 4“, GALERIE VON&VON, Nürnberg
Paper Positions, GALERIE VON&VON, München 
Allianz-Forum Berlin, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Berlin
Positions Berlin Art Fair, GALERIE VON&VON 
„171 Jahre Kunst in Hamburg“, Groupshow, Affenfaust Galerie, Hamburg 
Internationales Kunstfestival Salzgitter, Artgeschoss 2017 
Art Karlsruhe, GALERIE VON&VON
2016
Salondergegenwart, Hamburg
„Leaving | Living“, Greskewitz Kleinitz Galerie, Hamburg
Allianz-Forum Berlin, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Berlin
ART.FAIR, GALERIE VON&VON, Köln
„Constantin Schroeder – ein neuer Künstler in der Rathausgalerie“, Dreiländermuseum Lörrach
„Constantin Schroeder & Sebastian Herzau“, GALERIE VON&VON, Nürnberg
Art Karlsruhe, GALERIE VON&VON
2015
Allianz-Forum Berlin
Positions Berlin Art Fair, Greskewitz Kleinitz Galerie
NordArt – Internationale Kunstausstellung, Büdelsdorf
„Beasts“, Galerie Michael Poliza, Hamburg
2014
„In Between“, Greskewitz Kleinitz Galerie, Hamburg
„Young Germans“, Art Market Budapest, Léna & Roselli Gallery, Budapest, Ungarn
„Flash Exhibition“, Léna & Roselli Gallery, Budapest, Ungarn
P/ART (Producers Art Fair), Hamburg
„MENSCHENSKINDER“, Galerie Marc Richter, Lütjenburg
Saisoneröffnung, Galeriehaus Sprinkenhof, Hamburg
Art Innsbruck, CCA&A Gallery
„Meet & Greet“, Hoyer & Kast, München
2013
„Flash Exhibition“, Léna & Roselli Gallery, Budapest, Ungarn
Affordable Art Fair, CCA&A Gallery, Hamburg
Art Market Budapest, Lena&Roselli Gallery, Budapest
Affordable Art Fair, CCA&A Gallery, Hamburg
Hamburg Art Week, Kunsthaus Fuhlentwiete / CCA&A Gallery
„Up, up, and away!“, Galeriehaus Sprinkenhof, Hamburg
2012
von Trott zu Solz Lammek, Kurfürstendamm, Berlin
Potsdamer Kunstauktion, Friedenssaal, Potsdam
Soloshow, Café des Artistes, Berlin
2010
von Trott zu Solz Lammek, Kurfürstendamm, Berlin
Kunstfestival Gut Sarnow, Schorfheide
2009
von Trott zu Solz Lammek, Kurfürstendamm, Berlin
Verlagsgalerie SABA, Berlin
Benefizauktion, Deutsche Bank, Unter den Linden, Berlin
„Depressionismus“, Groupshow, Galerie Brunnen187, Berlin
„Item“ Kunstpreis, Ulm

Wie man seine Träume in die Form von Bildern bringt.

Blog-Interview mit dem Künstler in Berlin

Interview mit Constantin Schroeder auf I DECLARE COLORS