Edite Grinberga

Edite Grinberga

VITA

1965
geboren in Riga, Lettland
1975 – 1982
Janis Rozentals Kunstschule, Riga
1982 – 1983
Studium an der Staatlichen Universität Lettland
1983 – 1988
Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Riga
1989
Freischaffende Künstlerin in Riga – Installationen, Objekte, Theaterkostüme
seit 1990
Malerei, lebt und arbeitet in Berlin
2011
Auslandsaufenthalt: Stipendium Santa Fe Art Institute, New Mexico, USA
2012
Final Round Losito Kunstpreis Berlin
2014
Publikumspreis 28. Kunstpreis der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen

ARBEITEN IM ÖFFENTLICHEM BESITZ

Staatl. Museum für Bildende Künste, Lettland
Zimmerli Art Museum/Rutgers, New Jersey, USA
Museum am Dom Würzburg

PUBLIKATIONEN

Tanz auf der Kante eines Blattes Papier

Dr. Sophie Gerlach
17.01.2018

Ein Vorhang, in dem ein leichter Luftzug spielt und die Zartheit des Stoffes noch besser zum Vorschein bringt, ein milder Schimmer, der sanft über allem liegt und dann ein metallisch blitzendes Skalpell – willkommen in der Welt von Edite Grinberga!

Das Skalpell schneidet; wir bleiben an ihm mit einer Faser unserer Gedanken hängen und es schneidet sie entzwei.

Edite Grinbergas Bilder haben eine Schärfe, die umso heftiger ist, als dass sie in sanftem Gewand gekleidet daher kommt und genau im Moment in dem die Gedanken beginnen herumzutollen, wird dem Betrachter klar, dass es so einfach nicht ist – gefunden wird eine Blaupause des Lebens.

In diesen gemalten Momenten, die einem kurzen Hauch eine Form der Ewigkeit geben, komprimiert die Malerin auf hintergründige Art Bilder, die für mehr stehen als nur das vordergründig Sichtbare.

Nicht um die Malerei an sich geht es, sondern um das Bannen eines Gefühls, eines gelebten Momentes, der unser Leben prägt. Doch wie ihn wiederbringen, mit all seiner Komplexität, seiner Widersprüchlichkeit, seiner Schönheit, die den Verlust schon in sich birgt? Indem Farbe, Pinsel und Leinwand auf ebenso komplexe Weise in den Dienst dieser Abbildung genommen werden. So wird das scheinbar Ephemere von der Künstlerin minutiös geplant, inszeniert und ausgeführt.

So wie Edite Grinberga sich immer wieder selbst herausfordert weiter voran zu gehen, noch genauer zu malen, den flüchtigen Augenblick noch eindringlicher zu bannen, so fordert sie auch den Betrachter heraus – und seine Emotionen. Auf subtile und manchmal auch ironische Weise lockt sie so aus sich selbst und dem Betrachter Verborgenes hervor, dem man sich nicht entziehen kann. Schwingungen, die jeder in sich trägt, werden hier von bildlichen Momenten zum klingen gebracht. Doch Vorsicht ist geboten, denn man mag sich vor einem Bild in der Leichtigkeit der gemalten Stoffe und in einem Nachklang von Leidenschaft verlieren und im nächsten von der Verlassenheit angestarrt werden, deren kühler Miene man auch schon einmal im wahren Leben Guten Tag sagen musste. Das Skalpell ist das Ende der Illusion, der Pass das Inbild des Verrinnens einer Reisezeit, die unwiederbringlich abläuft, der Boxsack ist Zeuge eines wilden Zorns, der verraucht ist und von dem nur noch eine Müdigkeit zurück geblieben ist, die schon den neuen Anfang in sich birgt.

Die faszinierende Technik, welche die Malerin immer weiter perfektioniert – der Betrachter mag kaum einen Pinselstrich auf der Leinwand ausfindig machen, erlaubt den Seiltanz zwischen Traum und Realität, schafft die Verbindung zu unserem Inneren. Denn auch wir träumen meist in Bildern und die Emotionen, die sie hervorrufen sind mitunter sogar hyperreal, aber das sind Edite Grinbergas Bilder nicht und das wollen sie auch nicht sein. Sondern es geht um den Balanceakt Ewiges in flüchtigen Szenerien zu erkennen und zu binden und umgekehrt.

Das Licht ist Edite Grinberga dabei ein äußerst gut ausgebildeter Assistent, denn es ist immer ein natürliches. In mitunter endlosen Sitzungen fängt sie es ein, um es dann in einer noch intensiveren Abbildung mit ihrer künstlerischen Welt verschmelzen zu lassen. Die Transluzenz ihrer Bilder scheint sogar die Wände atmen zu lassen.

In diesen kühlen Ensembles ist doch immer Bewegung, immer Leben zu sehen. Durch das nicht-Darstellen unterstreicht die Künstlerin die vergangene Präsenz der Menschen und ihr Wirken – nämlich das Innere, das hier im Essentiellen verdinglicht ist.

Und so wirken diese Szenen wie Standbilder aus dem Tanz des Lebens, der mitunter in den schönsten Momenten auf der scharfen Kante eines Papierblattes stattfindet.

Malerei als Höhlengleichnis

Dr. Harry Lehmann

Es ist oft ein kleines Detail, an dem sich ein Kunstwerk dem Betrachter erschließt. So ist es mir auch mit dem Werk von Edite Grinberga ergangen, als ich bemerkte, dass auf einem Bild, auf dem ein Konzertflügel zu sehen war, der dazugehörige Klavierhocker fehlt. Es schaut nicht danach aus, als ob das Instrument überhaupt zum Spielen benutzt wird. Folgt man dieser ersten Eingebung, dass die dargestellten Gegenstände aus ihren Gebrauchskontexten herausgelöst wurden, dann wird man in den Schattenbildern viele solche fehlenden Details finden: So haben die Fenster und Türen keine Griffe, die Geigen und Celli sind ohne die dazugehörigen Bögen gemalt; ein Stuhl ist auf die Seite gekippt; der Boxsack hängt nicht von der Decke, sondern liegt mit zusammengerolltem Seil am Boden; ein Sessel ist mit einem weißen Tuch verhüllt und ein Kinostuhl steht herausgelöst aus der Sitzreihe einzeln im Raum. Auf den Gemälden werden also Dinge, die im weitesten Sinne etwas mit Kultur zu tun haben, als dysfunktionale Objekte stilisiert. Sie scheinen ihren Sinn und Zweck auf merkwürdige Weise eingebüßt zu haben. Sie wirken schön, verloren und nutzlos in den Räumen und verbreiten um sich eine Aura der Melancholie – eine Art Traurigkeit darüber, dass mit diesen Dingen etwas unwiederbringlich zu Ende gegangen ist. Verstärkt wird dieser Eindruck des Flüchtigen durch einen extrem feinen Farbauftrag. Zum Teil schimmert die weiße Leinwand durch die halbtransparenten Flächen, was die ephemere Wirkung der Bilder noch einmal erhöht.

Was als Nächstes auffällt, ist die Auswahl der Gegenstände, die dargestellt werden. Es handelt sich um Bücher und Musikinstrumente; um Bildermappen, Reproduktionen von Gemälden; um alte Lederkoffer, Reisepässe, einen Boxsack, Ballettschuhe, Schlittschuhe oder einen ausrangierten Kinostuhl. Was haben ein Cello, ein Boxsack und ein Reisepass miteinander zu tun? Und vor allem: Weshalb werfen all diese Dinge diese scharfkantigen Schatten in den Raum? Wenn man sich solche Fragen stellt und sich weiter in die Eigenlogik der Bilder hineindenken will, dann ist es unerlässlich, auch das Konzept zu analysieren, das dem Werk zu Grunde liegt.

Bei Edite Grinberga gehören zum künstlerischen Konzept vor allem die aufwendigen Vorbereitungen, die dem eigentlichen Akt des Malens vorausgehen und für die gesamte Werkserie verbindlich sind. Am Anfang steht die Auswahl eines Innenraumes, in dem es bei entsprechender Sonneneinstrahlung auf den Wänden und Fußböden zu einer starken Schattenbildung kommt. Die Schatten, welche sowohl die Fenster und Fensterkreuze als auch die im einfallenden Licht stehenden Gegenstände werfen, sind das auffälligste Merkmal dieser Bilder; sie sind aber nur deshalb so markant, weil die Räume hierfür extra hergerichtet wurden. So werden die Fußböden mit hellem Papier ausgelegt und künstliche Wände in den Innenräumen errichtet. Zum Teil wird das einfallende Licht mit Spiegeln eingefangen und umgelenkt, so dass auch komplexe und schwer entschlüsselbare Schattenspiele entstehen. In einem dritten Arbeitsschritt werden diese arrangierten Lichtinterieurs zu unterschiedlichen Zeitpunkten fotografiert. Und schließlich wird am Computer aus dieser Fotosammlung eine Auswahl der ästhetisch prägnantesten Bildausschnitte vorgenommen, die zu künstlichen Bildräumen zusammengesetzt werden. Erst der Ausdruck dieses digital bearbeiteten Bildes wird dann als Vorlage für die Gemälde benutzt.

Musikinstrumente, Bücher, Möbel und Gegenstände des alltäglichen Lebens waren auch schon im klassischen Stillleben ein beliebtes Sujet. Gewöhnlich repräsentierten sie das Lebensgefühl, den sozialen Status und das Wertesystem einer gesellschaftlichen Klasse oder Schicht. In Edite Grinbergas Bildern hingegen zeugen die Dinge eher von einer Welt, die im Verschwinden begriffen ist. Die meisten abgebildeten Objekte sind ›Bildungsgegenstände‹, also Dinge, mit deren Hilfe sich das Subjekt durch beständiges Üben, durch Fleiß und Disziplin als menschliches Wesen zu formen und zu vervollkommnen versuchte. In ›Bildungsgegenständen‹ manifestiert sich ein humanistisches Perfektionsideal. Es sind Symbole einer bürgerlichen Welt, in der man noch einen Kanon von Klassikern las, ein Musikinstrument erlernte und die Mädchen beim Tanz die Körperhaltung fürs spätere Leben einstudierten. Selbst dem alten Reisekoffer aus Leder und den gemalten Reisepässen haftet noch das Versprechen an, dass man in der Ferne seine eigenen Grenzen überschreiten könne.

Viele solcher ›Bildungsgegenstände‹ lassen sich auch heute noch in den Städtequartieren finden, aber sie haben ihren Sinn und Zweck in der Kultur eingebüßt; sie sind – wie in Edite Grinbergas Bildern – funktionslos geworden: Wer ein Instrument lernt, strebt eine extrem anspruchsvolle künstlerische Karriere an oder betrachtet die Musik als sein Hobby; wer auf Reisen geht, braucht beim Grenzübertritt in Europa keinen Pass mehr und bleibt selbst auf der Bildungsreise noch ein Tourist; wer Romane liest, orientiert sich weniger an einem Kanon als an einer Bestsellerliste. Die Aktivitäten sind oft noch dieselben wie vor einhundert Jahren, aber sie folgen nicht länger einem existenziellen Bildungsideal: Das Subjekt formt sich nicht mehr nach einer allgemeinen kulturell akzeptierten Idee, sondern sucht nach dem, was ihm gut tut oder dem beruflichen Fortkommen dient. Diesen zwielichtigen Übergang, wo ein Gegenstand wie ein Konzertflügel physisch noch vorhanden ist, aber seine kulturelle Bedeutung bereits verloren hat, scheinen die Gemälde festhalten zu wollen. Die humanistischen Bildungsgegenstände existieren nur noch als ein Schatten ihrer selbst. Insofern könnte man Edite Grinbergas Schattenbilder auch als ein modernes Höhlengleichnis lesen.

Es ist sicherlich nicht Sinn und Zweck der Kunst, solche historischen Entwicklungen zu beklagen, aber es bleibt ihre Aufgabe, die Welt so zu zeigen, wie sie geworden ist. Hierin finden Edite Grinbergas Schattenbilder ihren ästhetischen Gehalt, der sich in vielen verschiedenen Objekten und Konstellationen zeigen kann. Zwar sind die in den letzten Jahren entstandenen Bilderzyklen facettenreich und enthalten eine ganze Reihe von Sujets, die sich nicht unmittelbar in dieser Weise interpretieren lassen. Doch es sind die Bilder mit den markanten ›Bildungsgegenständen‹, welche im Zentrum des Werkes stehen. Sie strahlen auch auf jene Objekte aus, welche mit dem Thema auf den ersten Blick kaum etwas zu tun haben, wie etwa eine Strickjacke, die auf einem Bügel hängt, oder Gardinen, die in den Raum hinein geweht werden. Aufschlussreich ist auch ein Vergleich mit dem Werk des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi (1864 – 1916), das für die Malerin einen wichtigen Bezugspunkt darstellt. Sowohl thematisch als auch ästhetisch lassen sich hier viele Ähnlichkeiten feststellen: auch bei Hammershøi ist es die bürgerliche Wohnung, in die das Außenlicht durch die Fensterfronten einfällt und zu starken Licht- und Schattenkontrasten in den Innenräumen führt. Auch diese Bilder sind von einer schwermütigen Leere und Stille ergriffen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: aus den Bildern von Edite Grinberga sind die Menschen verschwunden, die bei den älteren Vor-Bildern noch zu sehen sind. Auch wenn sich in beiden Werken die gleiche Verlusterfahrung artikuliert, so hat sie sich jetzt noch einmal radikalisiert.

Edite Grinbergas Schattenbilder werfen zweifellos einen melancholischen Blick zurück in die Geschichte. Doch Kunstwerke haben manchmal einen langen Atem und können in anderen Zeiten auch andere Sinnschichten anlagern, insbesondere wenn sich der kulturelle Wandel so dramatisch wie heute vollzieht. So wie im 18. und 19. Jahrhundert eine industrielle Revolution die Gesellschaft transformierte und nicht zuletzt jenes Bürgertum mit seinen Bildungsidealen hervorbrachte, so wird sie heute von einer digitalen Revolution erschüttert, die nach der physischen nun auch die intellektuelle Arbeit rationalisiert. Auch die traditionellen Kulturmedien wie das Buch, das Musikinstrument und das Gemälde werden von dieser Revolution erfasst; der Zugang zu ihnen wird demokratisiert, sie werden aber auch ökonomisch entwertet und funktionieren nicht länger als bürgerliche Statussymbole. Die Frage, welche Rolle welche Bücher, Bilder und Musikstücke in einer durch die Digitalisierung geprägten Kultur spielen werden, stellt sich dann noch einmal neu. Aus diesem Blickwinkel wirken Edite Grinbergas Gemälde wie Erinnerungsbilder an eine Zukunft, die gerade erst begonnen hat.

Poesie des Augenblicks

Dr. Victor Svec
16.01.2018

Das Poetische in den Bildern von Edite Grinberga
Dr. Victor Svec, Eröffnungsrede anlässlich der Ausstellung von Edite Grinberga im Kunstkreis Hameln, 16.3.2013

Das Wort Poesie (von gr. ποίησις poiesis, „Erschaffung“) hat eigentlich einen Bezug auf einen Text, dessen Produktion traditionell nach den poetischen Gattungen geteilt wird. Nach Aristotelischer Poetik sind dies Drama, Epos und kleinere lyrische Gattungen. Seit dem 19. Jahrhundert wird diesbezüglich eher von Literaturund literarischen Gattungen gesprochen.

Der Begriff bezeichnet aber im übertragenen Sinne auch eine bestimmte Qualität oder auch Atmosphärik. Man spricht z.B. von der „Poesie eines Moments“ und meint damit vielleicht, dass von dem erlebten Ereignis bzw. der Wahrnehmung, eine sich der Sprache entziehende und über sie hinausgehende Wirkung ausgeht. Ähnlich eines Gedichtes, das sich durch seine Wortpoetik der Alltagssprache entzieht …

Der Dadaismus am Anfang des 20. Jh´s stellte als eine Art Antikunst den überkommenen Kunst- und Poesiebegriff in Frage, schuf damit aber letztlich nur eine neue Form der Poesie, die sich jeglicher formaler, bis dahin tradierter Norm entzog. Auch im Surrealismus wurde Alltägliches poetisiert: André Breton sprach von der „Poesie des Alltags“, Jacques Prévert zog das rätselhaft werdende Alltägliche in die Poesie. Man denke in diesem Zusammenhang an Bilder von Giorgio de Chirico, Paul Delvaux oder René Magritte.

Was ist das Rätselhafte, Poetische in den Bildern Grinbergas?

Die Frage ist so leicht nicht zu beantworten …

Ist es die Stille, die Entschleunigung der Zeit, der leise Windhauch, der den Vorhang leicht bewegen lässt? Oder ist es das oft stillebenhafte Arrangement der Bilder, bei dem die Dinge zum Stillstand gekommen sind? Die Geige, das Cello, dessen Klang verstummt ist? Das offen daliegende Buch, das eine Geschichte erzählt die uns unzugänglich bleibt?

Ja! Der erzählende Charakter, der könnte es vielleicht sein …

Obgleich Grinberga in der Motivik sehr reduziert bleibt, nur Weniges wird in den Fokus genommen, erzählen die Dinge und Räume unendlich viel – jedem, der sich auf sie einlässt …

Die aufgezeigten Räume sind meistens nur durch Ausschnitte definiert. Licht – und Schattenspiele an der Wand lassen Fenster oder offene Türen erahnen. Die Dimensionen bleiben allerdings durch die Projektion weitgehend verborgen.

Aber: wenn man nur lang genug vor dem Gemälde stünde, könnte man vielleicht das langsame Wandern des Schattens an der Wand beobachten … Welch eine surrealistische Erwartung/Hoffnung!

Die Kunsthistorikerin Sophie Gerlach sagte dazu: Die Transluzenz ihrer Bilder scheint sogar die Wände atmen zu lassen 

Diese Licht und Schattenspiele haben für mich aber auch noch eine weitere Funktion: sie sind das verbindende Element zwischen der Innen- und Außenwelt. So bleiben die Dinge nicht monadisch verkapselt, sie erzählen eine Geschichte von Menschen, die sie benutzt, gespielt oder abgelegt haben… Das Bild mit dem Reisepass zeigt nicht mehr als diesen und dennoch ist er der Identitätsnachweis eines menschlichen Individuums, das zwar physisch nicht vorhanden, aber dennoch metaphorisch durch das Bild präsent ist …

Die Poesie des Augenblicks …

Der Augenblick des Festhaltens? Wessen und wovon?

Grinbergas Bilder sind weit davon entfernt als „Schnappschüsse“ zu gelten!

Die Räume und Flächen mit ihrem Lichteinfall und Schattenwurf erweisen sich als genau kalkuliertes Kompositionsmittel. Edite Grinberga gestaltet bewusst ihre Bild-Innenräume – Wände werden verschoben oder ergänzt, zusätzliche Bodenflächen eingefügt, der Einfall des natürlichen Sonnenlichts wird nach bildgestalterischen Gesichtspunkten verändert. Der Lauf der Zeit, der sich in der vermeintlich erfolgten Wanderung des Schattenspiels darstellt, wird mit einer raffinierten, bildmäßig erstellten Inszenierung zum Stillstand gebracht. Was wie das unerwartete Erwachen einer schönen Erinnerung empfunden wird, ist in Wirklichkeit eine bis ins Detail geplante Verführung, wie es Alan Richardson ausdrückte.

Von hier aus betrachtet vermitteln diese Bilder eine „zurückblickende“ Ansicht …

Weil nichts mehr so wieder herstellbar ist wie es im Gemälde festgehalten wurde.

Und gerade deshalb vermitteln die Bilder der Künstlerin eine meditative Gelassenheit, die den Betrachter verweilen lässt – verweilen lässt in Erinnerungen an die Unwiederbringlichkeit erlebter Situationen und Augenblicke, der Augenblicke der unverhofften Poesie. Und sie schenken ihm die Einsicht, dass diese vergängliche Poesie allein gemalt visuell festgehalten werden kann …

Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück –

der Poesiebegriff im Sinne der „Erschaffung“.

In den Bildern von Edite Grinberga werden aus scheinbar alltäglichen Situationen zauberhafte Bilderwelten erschaffen, die nur so in und von der Kunst existieren können.

Und wir, meine Damen und Herren, dürfen an diesem Bildzauber (im besten Sinne des Wortes!) teilhaben …

Hoffentlich und zahlreich bis zum 28. April 2013 im Kunstkreis Hameln!

Poesie des Moments

Eva Karl, Kunstjournalistin & Bloggerin
18.11.2017
Der Windhauch, der den roten Vorhang in den flüchtigen Zustand des Wehens versetzt – gleich neben dem aufgeschlagenen Buch auf dem Tisch und den weitläufigen Schatten, die durch die Fensterscheiben ins Rauminnere dringen. Edite Grinberga gewährt dem Betrachter ihren über Jahrzehnte hinweg verfeinerten, scharfsinnigen Blick in die Situation vor und nach der Situation, verlassen vom vermeintlich menschlichen Protagonisten und ergo die Bühne freigebend für die eigentlichen Hauptakteure: Licht und Schatten. Der minimalistische gegenständliche Gehalt ihrer Leinwände tritt zugunsten der hyperrealistischen Eleganz ihrer Erscheinung zurück und gibt damit einer unterkühlten Überdeutlichkeit Raum, welche die Lichtsituationen in einer Grinberga eigenen Sensibilität herausarbeitet.
Die Künstlerin lehrt in vornehmer Zurücknahme das Staunen über die Farbe Weiß und überlässt die fragile Lichtsituation voll und ganz dem Betrachter, der sich in der melancholischen Tendenz von Momenten, die bereits passé sind, verlieren kann. Grinberga arbeitet mit einer unerreichten Sorgfalt, als ob mit mehr Details auch mehr Wirklichkeit aufgebaut werden könnte. Stattdessen trägt die Überzeichnung der dargestellten Räume in einer behutsamen Farbpalette zwischen Weiß und Grau paradoxal zu dessen zärtlicher Verklärung bei – eine genauestens durchkalkulierte Geheimniskrämerei mit nicht versiegender Faszination für die Poesie des Moments.

EINZELAUSSTELLUNGEN

2018
„Die Räume der Anderen“, Städtische Galerie Villa Strecius, Landau
Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin (mit Andreas Theurer)
Kunsttage Winningen, Galerie im Rathaus
„Zwischenzeit" Einzelausstellung Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt
2017-2018
„Zwischenzeit“ Einzelausstellung Galerie Friedmann-Hahn Berlin
2017
Art Karlsruhe, Galerie Friedmann-Hahn und Galerie Barbara von Stechow
"Geteiltes Licht" Einzelausstellung Galerie im Centrum, Städtisches Museum Wesel
St-Art Strasbourg, Galleria Stefano Forni, Bologna
Art Zürich, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt
Art Miami Context (mit Galleria Stefano Forni, Bologna)
Art Miami (mit Gallerie Barbara von Stechow, Frankfurt)
2016
"Luce errante", Galleria Stefano Forni, Bologna
St-Art Strasbourg, Galleria Stefano Forni, Bologna
Art Miami New York, Galerie Barbara von Stechow
Art Miami Context, Galerie Friedmann-Hahn und Galerie Barbara von Stechow
Cadogan Contemporary Gallery, London, UK
Art Zürich, Galerie Barbara von Stechow
2014
Mimi Ferzt Gallery, New York, USA
2013
„Takt der Stille“, Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt
Kunstkreis Hameln, Kunstverein Schöningen, Kunstverein zu Hohenaschau
2011
Galerie Esquisse, Nyon, Schweiz
2010
„Warten auf Vermeer“, Galerie Friedmann-Hahn, Berlin
2008
Galerie Lindern, Lindern
2007
Galerie Golkar, Köln
Atelier Brandt Credo, Bremen
2006
Galerie Donath, Troisdorf, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Sylt
2005
Galerie Thea Fischer-Reinhardt, Berlin
2004
„40 Hertz Grün“, Kunstoffice Berlin
2003
Skulpturenpark, Katzow
2002
St. Thomas-Kirche, Berlin
1997
Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Galerie „Les Beaux Artes“, Berlin
1996
Galerie „Hofkunst“, Bärbel Dieckmann, Berlin

GRUPPENAUSSTELLUNGEN

2017
"Aatifi & Grinberga", GALERIE VON&VON, Nürnberg
2016
„Bamequinox 2016“, Museum Ixchel, Guatemala City, Guatemala
Art Karlsruhe, Galerie Friedmann-Hahn und Galerie Barbara von Stechow
"Geteiltes Licht", Galerie Barbara von Stechow, Frankfurt
2015
”Through the Looking Glass”, Zimmerli Art Museum, New Jersey, USA
„Bamequinox 2015“, Museum Ixchel, Guatemala City, Guatemala
Art Miami Context, Galerie Friedmann-Hahn
St-Art Strasburg, Galerie Stefano forni, Bologna
Art Market San Francisco, Stephanie Breitbard Gallery,
Art Karlsruhe, Galerie Friedmann-Hahn und Galerie Barbara von Stechow
2014
Art Miami Context, Galerie Friedmann-Hahn
Art Karlsruhe, Galerie Friedmann-Hahn und Galerie Barbara von Stechow
Kunst Zürich, Barbara von Stechow
„Behausung“, Galerie Verein Berliner Künstler
"28. Kunstpreis", Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen
2013
Kunst Zürich, Galerie Barbara von Stechow
2012
Art Fair Köln, Galerie Friedmann-Hahn
Ausstellung Losito Kunstpreis, Großes Weisenhaus, Potsdam
2011
„Lettische angewandte Kunst heute und gestern“ Riga, Lettland
Art Santa Fe, Santa Fe Art Institute, New Mexico, USA
2010
„Naturansichten“, Galerie Alte Schule, Adlershof, Berlin
2006
„Heimat“, Kommunale Galerie Wilmersdorf, Berlin
1994
„Dezembersalon“, Galerie „Taube“, Berlin
1990
„Lettische Avantgarde“, Kunsthalle Berlin
1989
„Stoffmalerei“, Tiflis
1988
„Junge Künstler der UdSSR“, Moskau
1987
„Junge Künstler Lettlands“, Riga