Michael Dohr

Michael Dohr

Vita

1982
geboren in Wolfsberg, Österreich

2000–2008
Studium Translationswissenschaft (Teilstudium),
Graz, Österreich
2011–2013
Studium transkulturelle Kommunikation (B.A.), Graz, Österreich
lebt und arbeitet in Wolfsberg, Österreich

Zwischen Realismus und Gegenstandslosigkeit

Michael Dohr, Künstler
22.11.2017

Michael Dohr dokumentiert die Verschmelzung von Natur bzw. Mensch und moderner Technologie: Die Arbeiten des österreichischen Künstlers sind thematisch sehr stark mit der Natur verwoben. Im Spannungsfeld von Realismus und Gegenstandslosigkeit ist der österreichische Maler einer Sehnsucht auf der Spur, die den modernen Menschen immer häufiger befällt. Es ist die Sehnsucht nach Natur in einer technokratischen Welt. Einer Welt, die voller Komfort ist, aber immer schwerer zu verstehen.

Michael Dohr dokumentiert seine Beobachtungen oft in großformatigen Werken. Er widmet sich Experimenten, die aus dem Ruder laufen, malt Maschinen, deren Funktionsweise kaum nachvollziehbar erscheint oder Menschen, die sich in künstliche Idyllen flüchten. Die Arbeiten tragen Titel wie „Modernes Ding“, „Modern Nature Machine“ oder „Züchtung“ und spiegeln ein Interesse am Geheimnisvollen in der Welt wieder. Ein Interesse am Wundersamen und Unverständlichen, das Mensch und Maschine in gleichem Maße umgibt.

Außerhalb von Raum und Zeit

Susann Scholl, Kunsthistorikerin (M.A.)
18.11.2017

Die Bilder des österreichischen Künstlers Michael Dohr wirken auf den Betrachter wie ein lauter Schrei. In den collageartig aufgebauten Kompositionen scheinen die Gesetze von Zeit und Raum aufgehoben. Die Bildelemente drängen sich in einem visuell kaum zu entwirrenden Knäuel im Zentrum der Leinwand. Als Störfaktoren versteht der Künstler seine Werke, die er „Interventionen“ nennt.

Die Untertitel, wie „Idyllestörungsmaschine“, „Retortenidylle“ oder auch „Idyllekind“ verweisen dabei auf das Missverhältnis zwischen Natur und Maschine, das in den Werken zum Ausdruck gebracht wird. Zu erkennen sind kontroverse Motive: Neben Pflanzen und heimischen Tieren finden sich Kinder in volkstümlicher Kleidung, die Waffen in den Händen halten. Nippesfiguren behaupten sich zwischen dreidimensional ausgearbeiteten Formen, denen ein technischer Charakter anhaftet. Diese Realität scheint aus einer Welt von abstrakten Formen zu erwachsen, an manchen Stellen gar von dieser bedroht zu werden. Das inhaltliche Spannungsverhältnis spiegelt sich auch in der stilistischen Umsetzung. Der Wechsel zwischen Abstraktion und Figuration geht einher mit dem extremen Kontrast zwischen Bildelementen, die im fotorealistischen Stil detailliert ausgearbeitet sind und ungegenständlicher Farbmaterie, die gestisch auf die Leinwand gesetzt ist. Ebenso strahlen Grisaille-Elemente eine metallische Kühle aus, während die flankierenden kräftigen Farben auch einmal bis zur Leuchtkraft eines Neonlichts gesteigert werden.

So lotet Dohr die Möglichkeiten der Malerei aus und zeigt sich dabei deutlich vom Erscheinungsbild der Street Art beeinflusst. Im schichtweisen Bildaufbau verbirgt sich das Prinzip des Offenlegens und wieder Verdeckens, das im urbanen Raum auf eine ständige Veränderung zählt. Zwischen ästhetischen Zitaten von Stencils, Paste Ups und Graffiti finden sich Pinselspuren, die einen dynamischen Farbauftrag verraten. An anderen Stellen folgen Farbnasen oder Kleckse dem Prinzip der Zufälligkeit. All diese Bildelemente transportieren emotionale Eindringlichkeit, indem sie das wesentliche Anliegen der Street Art zitieren: das Stören der öffentlichen Ordnung und das Aufmerksam-Machen auf Missstände.

Ausstellungen

2017
„Collective Identity II“, Galerie Greskewitz-Kleinitz, Hamburg
„11 IN 4“, GALERIE VON&VON, Nürnberg
2016
ART.FAIR – BLOOOMartshow, GALERIE VON&VON
„Modern nature machine“, Stadtgalerie am Minoritenplatz, Wolfsberg, Österreich
2015
Art Karlsruhe, GALERIE VON&VON
„Saisonart 4.0 – Liobna Brückner/Alpay Efe/Michael Dohr“, Galerie Simon Nolte, Portocolom, Spanien
„Group Show“, Artemons Contemporary, Hellmonsödt, Österreich
2014
„Michael Dohr/Fabrini Crisci“, GALERIE VON&VON, Nürnberg
„Stefan Kreuzer/Michael Dohr – St. Andrä, die Stadt als Galerie“, Galerie X, St. Andrä, Italien
„Der Berg“, Stadtgalerie am Minoritenplatz, Wolfsberg, Österreich
2013
„Never Wake Up“, Galerie Andreas Lendl, Graz, Österreich
2012
„Never live the Hippo Life“, Galerie Marschner, Wels, Österreich
„All in One“, Stadtgalerie am Minoritenplatz, Wolfsberg, Österreich
Juliana Do/Ivona Zirkova/Michael Dohr, River Gallery, Bratislava, Slowakei
2011
„Now or never – Real 011“, Galerie Exner, Wien, Österreich
2010
„Red Wine – White Shark“, Galerie Andreas Lendl, Graz, Österreich