Sebastian Herzau

Sebastian Herzau

Vita

1980
geboren in Schönebeck
2005
Gründung „dieHO-HünstlerOrganisation“ und Eröffnung der Produzentengalerie dieHO-Galerie in Magdeburg
2007 – 2012
Studium der Malerei an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle bei Prof. Ute Pleuger
2012
Diplom Bildende Kunst Malerei/Grafik
lebt und arbeitet in Halle (Saale)

Preise & Stipendien

2015
Arbeitsstipendium Kunstverein Röderhof
2014
Arbeitsstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Kloster Bergesche Stiftung „item-Kunstpreis für Malerei 2014“ (3. Preisträger)
2012
Heise Kunstpreis 2012 (1. Preisträger)
Atelierstipendium der Stadt Magdeburg
2009
Gesellschafter Art.Award2009 (1. Preisträger)

Freiraum und Denkraum

Barbara Leicht, Kunsthistorikerin (M.A.)
22.11.2017

GALERIE VON&VON Künstler Sebastian Herzau zeitgenössische Kunst Kunstwerk Kunstgalerie Nürnberg "The Great Below"
Foto: Eva Karl

Sebastian Herzau, 1980 in Schönebeck geboren, hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Malerei studiert und lebt und arbeitet in Magdeburg.

Seine Serie „The Great Below“ zeigt Portraits junger Menschen, die den Großteil des Lebens noch vor sich haben. In den zarten Tönen seiner sehr reduzierten Farbpalette wie durch einen Nebelvorhang, wie durch einen Wasserschleier hindurch blicken die Gestalten auf den Betrachter. The Great Below. Das große, das großartige Dahinter. Die Dargestellten werden nicht weiter benannt. So genügt diese knappe Angabe auch, um den Betrachter anzuregen, sich seine Gedanken zu machen, vielleicht sogar ein Déjàvu zu erleben und jemanden vermeintlich zu erkennen. Die Portraits schöpft Herzau aus kurzen Begegnungen und flüchtigen Bekanntschaften und vermag so selbst das Rätsel des für ihn bald gänzlich unbekannten Menschen nicht zu lösen. Vorsichtig wagt er eine Interpretation der individuellen Aura seiner Modelle und generiert Portraits mit veristischer Aussage.

Viel Freiraum, viel Denkraum besteht zugleich für Maler und Betrachter. Gestisch anmutende Hübe mit Spachtel oder Pinselstiel verstärken die Verunklärung des über dem Antlitz liegenden dünnen transparenten Farbschleiers, der wie eine Membran die Informationen über die Dargestellten zu filtern scheint. Ganz bewusst verzichtet Herzau auf Interieurs oder Attribute, um nicht zu viel Hinweise auf das Wesen hinter dem gemalten Portrait herauszugeben resp. zu interpretieren, um sich und dem Rezipienten das Geheimnis in der Tiefe der Darstellung zu erhalten.

Herzau ist ein zeitgenössischer Maler, der genau weiß, was seine Vorläufer, die Portraitisten seit der Renaissance bis in die Romantik, Impressionismus und den Fotorealismus der 1960er Jahre hinein geleistet haben. Und durchaus lässt sich feststellen, dass Herzau die Linie dieser künstlerischen Leistungen fortführt und er seine Darstellungen aus der Flut der täglichen Bilder der Masse der Menschen in einen separierten Bereich entrückt. Er entzieht sie dem medialen Rummel und den Megapixeln der virtuellen Welt. Dabei überzeugt er mit klassischem Handwerk. Malerei pur. Die Portraitierten blicken nachdenklich und in sich versunken aus einer atmosphärischen Umgebung hinaus oder sehen bald melancholisch in sich hinein. Momentaufnahmen junger Menschen aus dem Hier und Jetzt. Herzau zeigt die Einsamkeit und die Individualität im Zeitalter der Vernetzung und Kommunikation. Er blickt dabei zurück in der Geschichte der Malerei. Ein postromantischer Ansatz im 21. Jahrhundert.

Seine Gemälde erzielen eine kontemplative Wirkung, manche besonders wegen ihrer Größe. Man kann vor den Werken verweilen und zur Ruhe kommen. Man kann sie lange ansehen, trotzdem ermüden sie nicht. Sie sind nicht modisch, sie sind zeitlos. Herzau sondiert subtil die Interaktion zwischen Bild und Betrachter. Er setzt gerade bei den überdimensionalen Formaten da an, wo die Fotorealisten aufhörten. Jene vermochten die Technik der Fotografie damals zu überholen.

Heute kann die digitale Fotografie mit riesigen Datenvolumina in unglaublicher Brillanz und Akkuratesse ebenfalls überlebensgroße Formate erzeugen, jedoch kann sie und auch die virtuelle Welt vieles nicht: Sie kann nicht mit den Unregelmäßigkeiten der Farbkörper spielen, sie kann nicht gestisch mit dem Trägermaterial der Pigmente arbeiten, sie wird im Riesenformat nie so intuitiv erscheinen und körperliche Präsenz zeigen, wie die klassische Malerei dies tut – so wie Sebastian Herzau dies in seinen Werken aus Ölfarben und Leinwand auf großartige Weise vermag.

Einzelausstellungen

2017
„The Great Below“, Irrgang Galerie, Berlin
„Where It Belongs“, Christel Wagner Galerie, Frankfurt a. M.
„Ich sehe was, was Du nicht siehst...“, Galerie Filser & Gräf, München
2016
„The Great Below“, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
„The Artist Is A Present“, Galerie Nord, Halle
2015
„Iche, Batman“, Kunstverein Kirchzarten
2014
„still“, Galerie Koenitz, Leipzig
Kunstdepot, Galerie Filser & Gräf, München
„the great below“, Woeske Gallery, Berlin
2012
„Landschaft“, MDR Funkhaus, Magdeburg
„Landschaft – Diplomausstellung“, Galerie im Volkspark, Halle
2010
„About the great below“, Galerie Julia Philippi, Heidelberg
2007
„Ich zeige alles“, dieHO-Galerie, Magdeburg
„Kurz stehenbleiben“, Galerie Alte Feuerwache, Köln

Gruppenausstellungen

2017
Rotterdam contemporary, GALERIE VON&VON
Art Karlsruhe, Galerie Filser & Gräf
2016
„faces & spaces“, Galerie Filser & Gräf, München
„Human Condition“, Los Angeles, USA
„Nichts als die Wahrheit. 50 mal Malerei. Klasse Pleuger 1999 – 2016“, Galerie im Volkspark, Halle
„Sebastian Herzau & Constantin Schroeder“, GALERIE VON&VON, Nürnberg
„Faces“, Galerie downtoart, Gent, Belgien
2015
„Begierde“, Galerie Koenitz, Leipzig
„Accrochage“, Galerie Filser & Gräf, München
„summer-journey15“, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
„Male Positions“, Christel Wagner Galerie, Frankfurt a. M.
„small & might“, Galerie Filser & Gräf, München
„Index 15“, Kunstraum Villa Friede, Bonn
„Die Verwandlung“, Galerie Nord, Halle
Berlinische Galerie, Berlin
mianki.gallery, Berlin
Städtisches Museum Schloss Rheydt, Berlin
„Offene Ateliers“, Kunstverein Röderhof, Röderhof
2014
„still“, Galerie Koenitz, Leipzig
„Index 14“, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
Kunstdepot, Galerie Filser & Gräf, München
„The Great Below“, Woeske Gallery, Berlin
„Aus gutem Grund“, widmertheodoridis, Eschlikon, Schweiz
„Die Couch“, Galerie Nord, Halle
„item-Kunstpreis für Malerei 2014“, item GmbH, Ulm
„Annäherungen“, Galerie Nord, Halle
„WeldeKunstpreis 2014“, Stadtgalerie Mannheim
„Eberhard-Dietzsch-Kunstpreis 2014“, Geraer Bank, Gera
„Eigensinnige Inseln“, Forum Gestaltung, Magdeburg
„Dreiklang“, Galerie Filser & Gräf, München
2013
„Batman und Robin“, Galerie Koenitz, Leipzig
„Von Beckmann bis Warhol“, Martin-Gropius-Bau, Berlin
„Landschaft“, Hohenloher Kunstverein, Künzelsau
„Index 13“, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
„Intermezzo IX“, Galerie Nord, Halle
„glasklar-milchig“, ForumFactory, Berlin
2012
„SonderfART“, whiteBOX e. V., München
„jetzt neu“, Galerie Nord, Halle
2011
„Draußen nur Kännchen“, Galerie im Moritzhof, Magdeburg
2010
„Aufgebacken! Baguette dö“, Galerie im Moritzhof, Magdeburg
„10 Jahre Klasse Ute Pleuger“, Erholungshaus Bayer AG, Leverkusen
2009
„Doppelpässe“, Medizinisches Zentrum, Leipzig
„Baguette“, dieHO-Galerie, Magdeburg
„10 Jahre Klasse Ute Pleuger“, Galerie im Volkspark, Halle
2008
„Zwischenschritte“, Galerie Baumann, Leipzig
„Kleine Geschichten, schwere Geschehen“, Galerie am Platz des Friedens, Hanau
„Pauer“, Sonderpo-Innercity Galerie, Halle
2007
„L’homme et chien“, Association Couer Juliette, Marseille, Frankreich
Galerie Solara Association, Paris, Frankreich
„Positionen“, Museum Schönebeck

Zwischen Batman & weiteren Verbündeten

Blog-Interview mit Sebastian Herzau

Sebastian Herzau auf I DECLARE COLORS