Kay Schwarz

"René Descartes"

Kay Schwarz · GALERIE VON&VON / Contemporary Art / Art Gallery

Auf grauem Untergrund, der breit im oberen Bereich und dünn an den Seiten mit violetter Farbe eingefärbt ist, ist etwa mittig eine größtenteils rechteckige weiße Fläche platziert. Im unteren Bereich läuft von dieser die weiße Farbe nach unten hin. Im Inneren der Fläche befindet sich größtenteils innerhalb eines rechteckigen blauen Kastens ein stilisierter weißer menschlicher Kopf. Von diesem wird die rechte Seite im Profil mit pinken Lippen und blauem pink eingefasstem Auge gezeigt. Ein weiteres Auge befindet sich in einer Rundung darüber verkehrt herum in einem pinken Feld. Zusammen ergeben die Gesichtspartien ein nach oben hin abgerundetes Rechteck. Dessen oberer Teil wird größtenteils durchzogen von senkrechten Linien. Das gesamte Werk ist mit durchsichtiger Folie überzogen. Auf dieser sind unterhalb des Kopfes in schwarz die Worte „je pense, donc je suis Decartes 157“ und darunter ein Kästchen mit nach rechts außen weisendem Pfeil angebracht.

Hauptgegenstand im Werk von Kay Schwarz bilden ausdrucksstarke figürliche Darstellungen, die in Form stilisierter Köpfe inszeniert werden. Als Kontext dieser Kopfstudien dient anfänglich der urbane Raum. Durch das Medium Leinwand erweitert sich auch der Fundus an Werkzeugen. Dieser umfasst so neben einem breiten Spektrum an Permanent-Markern und Sprühlacken auch herkömmliche Acrylfarben, Tinten und Graphit, ergänzt durch die Applikation diverser Alltagsmaterialien. Der Duktus ist leicht und spontan. Die Präsenz der Linie und der flächig unterteilte Farbauftrag verweisen auf die künstlerischen Wurzeln von Kay Schwarz. Die Übertragung des Bildgegenstandes in das Atelier verlangt nach einem adäquaten Ersatz für das urbane Setting. Leipzig als Heimatstadt und Stätte des Schaffens bereitet, nun auf Leinwand gebannt, den Background für die Inszenierung. Getreu seinem Vorbild unterliegt dieses imitierte Urbane dem ständigem Wandel einer relativen Wirklichkeit. Perspektiven verändern sich, Formen lösen sich in kubistischer Manier und logische Gesetzmäßigkeiten geraten durcheinander. Der freie Umgang mit Perspektiven, Farben und Formen spiegelt in Anlehnung an Schillers Rückbesinnung auf das Ästhetische und Spielerische seine Sicht auf Alltägliches im Kontext unserer westlichen Gesellschaft. Danach weist das Spielen als spezifisch menschliche Fähigkeit tendenziell Möglichkeiten auf, Probleme und Konflikte auf kreative Art und Weise beizulegen. Der Künstler bietet mit dieser Ausstellung die Möglichkeit, Teil (s)eines Gesellschaftsspieles zu sein.

— Peter Wedwitschka, M.A. (Kunsthistoriker)