Sebastian Herzau

"Serie ‘The Great Below’ / R.II-15"

Sebastian Herzau · GALERIE VON&VON / Contemporary Art / Art Gallery / Artist

Die Serie „The Great Below“ zeigt Portraits junger Menschen, die nicht weiter benannt werden und die der Künstler aus kurzen Begegnungen und flüchtigen Bekanntschaften schöpft. Vorsichtig wagt er eine Interpretation der individuellen Aura seiner Modelle und generiert Portraits mit veristischer Aussage. Ganz bewusst verzichtet Herzau auf Interieurs oder Attribute, um nicht zu viele Hinweise auf das Wesen hinter dem gemalten Portrait herauszugeben. Technisch ausgefeilt, als Imprimiturmalerei in vielen Schichten ausgeführt, verlieren die Gesichter nichts von ihrer dreidimensionalen Wirkung, auch wenn sie hinter einer bedampften Glasscheibe mit herunterlaufenden Wassertropfen erscheinen. Der Betrachter wird unmittelbar in die Rolle des Voyeurs versetzt und durch die spärlichen Angaben, dazu angeregt, sich selbst Gedanken zu machen, vielleicht sogar jemanden vermeintlich zu erkennen. Auf Grund des Blickkontakts, durch einen scheinbar durchsichtigen Schleier, entsteht zwischen dem Betrachter und den nur schemenhaft erkennbaren Motiven eine vom Künstler gewollte Intimität, die an die Grenzen des Geheimnisvollen stößt. Herzaus Porträts zeigen einen Prozess, der mit dem Sich-Selbst-Finden, aber zugleich mit einem gewissen Erstaunen einher geht. Sie sind bewusst, klar komponiert und gleichzeitig sind es immer auch Untersuchungen an dem Bild selbst. Das Ausloten von Distanz und dennoch unmittelbarer Nähe wird zu einem nachvollziehbaren schöpferischen Prozess für den Betrachter. Herzau thematisiert die Oberfläche der Malerei an sich, bei der er nichts dem Zufall überlässt und hebt die Trennung zwischen realem und illusionärem Raum hervor.
—Barbara Leicht

Hinter einer Nebelschicht erscheint in zarten Tönen auf gräulichem Grund die Büste eines jungen Mannes. Diese ist vor allem im Bereich des Gesichtes durch vertikale Schlieren in seiner Erkennbarkeit beeinträchtigt. Der junge Mann ist zentral und weitgehend frontal, mit leicht zur linken Seite hin geneigtem Kopf, im Bild positioniert. Dabei nimmt die Darstellung mehr als ein Drittel der Gesamtfläche ein. Der Mann trägt ein dunkles Hemd, besitzt kurzes braunes Haar und generell ein ebenmäßiges Gesicht mit gerader Nase und vollen Lippen. Sein Blick ist am Betrachter vorbei in die Ferne gerichtet.
— Julia Reiter