19.09.2013 - 09.11.2013

Farbspuren

In der permanenten künstlerischen Entscheidung, ob man mit Malerei ein Ereignis beschreiben soll oder die Malerei selbst zum Ereignis wird, hat Sissi Edler eine klare Entscheidung getroffen: Sie braucht weder den Gegenstand, noch die „Geschichte“, die ein Bild erzählen kann, sondern vertraut ganz auf die direkte Wirkung von Farben und Malspuren. Gelegentlich könnte man ihr […]

In der permanenten künstlerischen Entscheidung, ob man mit Malerei ein Ereignis beschreiben soll oder die Malerei selbst zum Ereignis wird, hat Sissi Edler eine klare Entscheidung getroffen: Sie braucht weder den Gegenstand, noch die „Geschichte“, die ein Bild erzählen kann, sondern vertraut ganz auf die direkte Wirkung von Farben und Malspuren. Gelegentlich könnte man ihr eine verborgene Hingabe zur Form nachweisen, etwa, wenn sie die All-Over-Strukturen ihrer ganz von Farbkomposition und Pinselschrift genährte Malerei verlässt und sich der Systeme von ordnenden Vierecken bedient. Ebenso deuten die Vorliebe für bestimmte Formverhältnisse – durchaus auch das Quadrat – darauf hin. Ansonsten aber lässt sie den Pinsel laufen, schafft ein dichtes Gewebe von sich überlagernden Strichen (auch diese bevorzugt von vertikaler und horizontaler Ausrichtung), die dem Auge einerseits eine federnde Räumlichkeit bescheren, andererseits auch über die Begrenzung durch das Format hinweg weisen und so das Bild zum Ausschnitt und Ausblick eines weitergehenden Konzeptes macht.

Wer so arbeitet, muss sich auf seinen Farbensinn verlassen können und auf die Qualität seiner Pinselschrift. Sissi Edler liebt die harmonische Tiefe der Farbkadenzen, meidet in ihrer Gestik kantengleiche Härte, sondern lässt den Strich pulsieren, wie das Blut in den Adern. Die entstehende Bewegung ist uns ein vertrautes Schaukeln entlang der gewählten Richtung, ein Offenlassen des Blickes zu den darunter liegenden Strukturen und har vielleicht deshalb eine so beruhigende Wirkung selbst dann, wenn das Kolorit einmal lauter wird.

Wir blicken einer Malerin über die Schulter, die geradezu körperlich in ihren Bildfindungen aufgeht und schon aus diesem Grund so authentisch wirkt. Malerei, ehrlich!

Rainer Braxmaier