21.04.2015 - 10.07.2015

Petra Kaindel & Julia Schröder

Petra Kaindel „Es ist das Sein, wo ich zu malen beginne: eine Emotion einfangen, einen Moment, einen Zustand. Meine Themen sind die vielschichtigen Beziehungen zwischen Mann und Frau, der Feminismus, der Jugend-, Schönheits- und Konsumwahn, den ich oftmals mit Ironie in Szene setze, die Orientierungslosigkeit in einer Zeit der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten – und die […]

Petra Kaindel

„Es ist das Sein, wo ich zu malen beginne: eine Emotion einfangen, einen Moment, einen Zustand. Meine Themen sind die vielschichtigen Beziehungen zwischen Mann und Frau, der Feminismus, der Jugend-, Schönheits- und Konsumwahn, den ich oftmals mit Ironie in Szene setze, die Orientierungslosigkeit in einer Zeit der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten – und die Unschuld der Kinder, die sich all dem viel zu früh aussetzen müssen.

Die Photoshopwelt der Medien ist ein fabelhafter Quell der Inspiration! Denn die Werbeindustrie wird uns weiterhin tagtäglich bearbeiten und uns vorgaukeln, dass wir alles haben und besitzen können, wir „müssen nur wollen“, für das kleine Glück nur die Kreditkarte zücken. Die konstante Gehirnwäsche sorgt dafür, dass wir diesen Schwachsinn glauben und so viele Dinge tun und konsumieren, um einem Ideal zu entsprechen, das künstlich erschaffen wurde.

Selbst Liebe und Freundschaft können wir online verwalten, wir sammeln tausend Freunde auf Facebook – und starren in der Strassenbahn stoisch auf das Display unseres Smartphones und hoffen, dass uns niemand anspricht.

Dürfen und können wir überhaupt noch einfach Sein oder haben wir dafür keine Berechtigung mehr? Und wo ist eigentlich die viele Zeit hinverschwunden, wenn wir doch älter werden und über so viel mehr Freizeit verfügen als je zuvor?   In meiner Malerei versuche ich, all diese zeitgenössischen Tendenzen zu verarbeiten und auszudrücken. Zu diesem Zweck wähle ich zusätzlich zur Malerei zu jeder meiner Arbeiten ein bestimmtes Musikstück – wie eine Filmmusik, die mich während des gesamten Schaffensprozess begleitet.

Manchmal inspiriert mich ein Text, manchmal eine Melodie – und das Tempo der Musik wiederum beeinflusst meine Malweise, was vielleicht der Grund ist, dass ich in verschiedenen Stilrichtungen arbeite.

Allerdings lege ich wenig Wert auf einen bestimmten Stil, das Bild darf sich während der Arbeit ruhig bewegen und verändern und vom ursprünglichen Konzept abweichen, sonst wäre es ja langweilig. Sobald das Bild ausdrückt, was es meiner Meinung nach ausdrücken soll, ist es fertig.“

 

Julia Schröder

Kontraste, Widersprüche und die eigene Gefühlswelt ziehen sich durch die Arbeiten von Julia Schröder. Als Leinwand verwendet sie Betonplatten, ein außergewöhnliches und kühles Material, welches während des Arbeitsprozesses eine faszinierende Wirkung auf sie ausübt. Die Idee mit Beton zu arbeiten kam ihr vor einigen Jahren auf einer Reise nach Shanghai, als sie sich plötzlich vor einer riesigen Betonwand wiederfand.

Durch den manuellen Herstellungsprozess entstehen ausschließlich Unikate mit einer matten oder spiegelnden Oberfläche in den Größen 20, 40 und 80 cm, die ca. 0,8, 2,3 und 10 kg wiegen. Die Betonplatten und deren Befestigungssystem entwickelte die Künstlerin mit Unterstützung eines Ingenieurs. Mit Airbrushtechnik sprüht sie grafisch reduzierte, fragmentarische Formen auf. Die Schablonen hierfür werden zuvor am Computer entworfen. „Dabei achte ich auf eine möglichst geometrische Formsprache, die aus parallelen Linien und symmetrischen Kreisformen besteht“, sagt Schröder.

Hidden lautet der Titel ihrer ersten Kollektion. Mit provozierendem Blick fordern die Gesichter ihren Betrachter auf: „Hey, schaut mich an!“ Die Figuren wollen beachtet werden. Gleichzeitig scheinen sie sich hinter einer Fassade zu verstecken. Die Werke offenbaren bei genauerem Hinsehen eine Botschaft: Your greatest happiness is often hidden behind your deepest fear. „Es ist eine versteckte Nachricht an den Betrachter, dass aus dem Gefühl der Angst großes Glück entstehen kann“, erklärt die Künstlerin.

Scheinbar konträre Positionen treffen aufeinander, so auch in ihrer Kollektion Popstars, wo Schröder das Thema Kunst und Vermarktung aufgreift. 40 Künstler kooperieren in der Vermarktung mit einer sehr erfolgreichen Marke. Dabei befindet sich auf jedem Werk ein Original Knibbelbild aus der Sammelkollektion von 1982, das jeweils einen Song der 40 Künstler repräsentiert. Auf den knalligen Platten, die an Pop Art erinnern sind die wesentlichen Elemente der Songs in farbige Formen und Typografien übersetzt.

Schröders Arbeiten lassen viel Raum für eigene Interpretationen, freie Assoziationen und Erinnerungen beim Betrachter zu. „Das Zusammenwirken des kühlen, harten Materials mit der Darstellung menschlicher Gefühle fasziniert mich sehr und wäre auf einer normalen Leinwand so nicht möglich“, so die Künstlerin. „Das Kalte geht mit etwas Warmen eine Beziehung ein, aus der eine Art Symbiose entsteht“.

Julia Schröder wurde 1980 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach Ende ihres Studiums zog sie 2008 nach Hamburg, wo sie seitdem als Künstlerin tätig ist.
Maike Niet