Kay Schwarz

"Selbstbild157"

Hauptgegenstand im Werk von Kay Schwarz bilden ausdrucksstarke figürliche Darstellungen, die in Form stilisierter Köpfe inszeniert werden. Als Kontext dieser Kopfstudien dient anfänglich der urbane Raum. Durch das Medium Leinwand erweitert sich auch der Fundus an Werkzeugen. Dieser umfasst so neben einem breiten Spektrum an Permanent-Markern und Sprühlacken auch herkömmliche Acrylfarben, Tinten und Graphit, ergänzt durch die Applikation diverser Alltagsmaterialien. Der Duktus ist leicht und spontan. Die Präsenz der Linie und der flächig unterteilte Farbauftrag verweisen auf die künstlerischen Wurzeln von Kay Schwarz. Die Übertragung des Bildgegenstandes in das Atelier verlangt nach einem adäquaten Ersatz für das urbane Setting. Leipzig als Heimatstadt und Stätte des Schaffens bereitet, nun auf Leinwand gebannt, den Background für die Inszenierung. Getreu seinem Vorbild unterliegt dieses imitierte Urbane dem ständigem Wandel einer relativen Wirklichkeit. Perspektiven verändern sich, Formen lösen sich in kubistischer Manier und logische Gesetzmäßigkeiten geraten durcheinander. Der freie Umgang mit Perspektiven, Farben und Formen spiegelt in Anlehnung an Schillers Rückbesinnung auf das Ästhetische und Spielerische seine Sicht auf Alltägliches im Kontext unserer westlichen Gesellschaft. Danach weist das Spielen als spezifisch menschliche Fähigkeit tendenziell Möglichkeiten auf, Probleme und Konflikte auf kreative Art und Weise beizulegen. Der Künstler bietet mit dieser Ausstellung die Möglichkeit, Teil (s)eines Gesellschaftsspieles zu sein.
— Peter Wedwitschka, M.A. (Kunsthistoriker)

Im Zentrum des Werkes befindet sich ein großer stilisierter weißer Kopf, begrenzt durch kräftige schwarze Konturlinien. Der haarlose Kopf ist im Profil zur rechten Bildseite hin gewandt. Er besitzt weiblich anmutende, volle rote Lippen und eine markante, eckige Nase. Über dieser befindet sich ein großes, rundes blaues Auge, das seine Pupille nach unten hin gewandt hat. Umgeben wird es von einer pinken Flüssigkeit, die nach unten hin sich über die Wange ergießt. Ein weiteres schwarz-weißes Auge befindet sich außerhalb des Kopfes ein Stück nach rechts versetzt und durch eine schwarze Linie mit der Unterseite des Kopfes verbunden. Umgeben wird der Kopf von einer grauen, vieleckigen Fläche, die sich besonders nach unten hin in Spritzern und Schlieren fortsetzt. Über diese sind weitere rahmende Elemente bestehend aus dickeren schwarzen und feineren blauen Linien gelegt. Auch diese setzen sich bis über die äußere freie weiße Fläche fort und teilweise auch über die Bildränder hinaus. Inmitten einer feinen blauen Linie prangt am unteren Rand des Werkes mittig die Signatur des Künstlers.
— Julia Reiter